Ehrlichkeit ist angesagt, nicht Empfindlichkeit!

Wir veröffentlichen hier aktuell die Rückmeldungen der Politik zum Generationen-Manifest.
Ein Unterstützer nahm das zum Anlass, Frau Göring-Eckardt persönlich zu antworten:

Liebe Frau Göring-Eckardt,

die Stellungnahme Ihres Büro´s zum Generationenmanifest reizt mich zu einer kurzen Erwiderung:

Aus Sicht der Zukunft unserer Kinder ist die Undifferenziertheit der Politikerkritik durchaus berechtigt. Die Weimarer Republik ist ausschließlich durch gewählte Politiker aufgehoben worden (Ermächtigungsgesetz 1933, man kann nachlesen, wie das damals gelaufen ist). Es gab welche die den „Drive“ hatten zu widersprechen. Manche haben das nicht überlebt. Aber dann kam es für die Welt ganz dicke. Sie kennen die Geschichte im letzten Jahrhundert. Wir brauchen nicht zu glauben, dass wir heute ganz grundsätzlich in einer einfacheren Situation sind. Es ist nur einfach ziemlich anders im Erscheinungsbild und ich meine „Die Politik“, einschließlich der Grünen hat noch wenig Ahnung, wie wir unsere Welt unseren Kindern hinterlassen. Aber kaum ein Politiker hat den Mut, die Leerheit der eigenen Hände ehrlich zuzugeben. Das wäre richtig revolutionär und könnte aus der furchtbaren Politikerverdrossenheit herausführen. Es ist einfach beschämend, wenn Politiker sich hinstellen und  sagen: wählt mich, ich weiß wie´s geht! Denn wir werden die Herausforderungen wirklich nur durch einen gesellschaftlichen Aufbruch bewältigen können. „Führen“ heißt in erster Linie „Folgen können“! Und zwar den tieferen Interessen derer, die geführt werden. Das geht über weite Strecken nur Repräsentativ, aber an wichtigen Wegkreuzungen geht es nur mit direkter Demokratie!

Früher hatten die „Grünen“ dem Mut als Spinner zu gelten und haben damit sagenhaft viel bewegt. Wann werden die Grünen endlich Spinner z.B. in Finanzpolitik und gesellschaftlicher Gestaltung? Es wäre dringend nötig. Stattdessen möchte man gerne mitregieren, weil alles nur noch mit äußerer Macht zu funktionieren scheint,  so meint man. Wohin denn bitte soll die Entwicklung gehen? Und man ist empfindlich gegen pauschale Politikerkritik. Nehmen Sie es  doch einfach als Phänomen, wie sich das Ansehen unserer Politiker in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat und ziehen Sie die Konsequenzen daraus. Ehrlichkeit ist angesagt, nicht Empfindlichkeit!

Ihnen und uns alles Gute für einen gesellschaftlich fruchtbaren Wahlausgang 2013

Uwe Kienitz